Was wäre, wenn ich Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre? (4)

Bei meinem Angebot, natürlich auch bei dem Schnäppchen, sind natürlich alle meinem Verlag entstehenden Kosten – großzügig gerechnet – incl. des gewünschten Gewinns enthalten. Ich will ja kein Risiko eingehen. Wenn der Kunde, o Pardon, der Autor einwilligt, schließen wir einen Vertrag, der nach einiger Zeit die Möglichkeit der Verramschung zulässt, wenn der Verkauf nicht befriedigend verläuft und bieten damit dem Autor die Möglichkeit, die nicht verkauften Exemplare günstigst zu erwerben, vielleicht kann er damit die leeren Regale in seinem Keller oder in seinem Wohnzimmer füllen.

Dann wird lektoriert, dank der Duden-Korrektor-Software geht das heute ziemlich flott. Nun holen wir die Zustimmung des Autors zu den Änderungen ein, ebenso für den Coverentwurf, der sich natürlich an unsere bisherigen Bücher anlehnt und daher nicht so aufwendig für uns ist. Dann wird gedruckt. Gott sei Dank haben wir eine sehr, sehr günstige Druckerei, die dank einer entsprechend großen Lagerhalle auch die Bücher bis zum Verkauf einlagert.

Der Autor erhält mit einem Glückwunschschreiben seine ersten Exemplare übersandt, dazu natürlich die Rechnung über die zweite Rate der Vertragssumme. Die erste und größere Summe haben wir schon erhalten, sonst drucken wir gar nicht. Danach folgt der Versand der Belegexemplare, die Einpflegung des Buches in unsere Homepage und den Presseverteiler und zwei Mal im Jahr in unseren Verlagskatalog. Zusätzlich erhält der Kunde 100 Flyer, was er damit macht, ist seine Sache. Weitere kann er gegen gutes Geld bei uns kaufen. Wie hundert andere Bücher legen wir auch sein Buch auf den Buchmessen auf.

Das interessiert aber außer den Autor und seinen potenziellen Kollegen eigentlich niemanden, na ja, Ausnahmen gibt es immer wieder.

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Was wäre, wenn ich Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre? (3)

Außerdem weise ich aber darauf hin, dass sich gerade ein unbekannter Autor natürlich auch selbst in die Werbung und den Verkauf seiner Bücher einbringen müsse. Wenn es dann nicht so klappt wie vom Autor erwartet – unsere Erwartungen sind da immer sehr realistisch – liegt zumindest die Schuld nicht bei uns. Dann nenne ich den eigentlich erforderlichen Druckkostenzuschuss und teile dem Autor mit, wie viel er pro Buch verdienen kann. Der Betrag liegt deutlich über dem Prozentsatz, den andere Verlage einem unbekannten Autor zahlen.

Meist kann er schon nach dem Verkauf von wenigen tausend Büchern echt Geld verdienen und das dürfte ja nicht schwer sein, sagt sich meist der Autor. Weiter informiere ich ihn, wie günstig er das Buch bei uns zum Selbstverkauf erwerben kann. Schließlich unterbreite ich ihm noch ein Schnäppchenangebot für sein erstes Buch, das ich jeweils unterschiedlich begründe und lade ihn ein – falls er nicht gerade in der Nachbarschaft wohnt -  unseren Verlag doch einmal zu besuchen.

Die Anthologie ist hier zu erwerben

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Was wäre, wenn ich Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre (2)

Nach gut zehn Tagen schreibe ich dann wieder persönlich an den Autor und teile ihm mit, dass wir auf Vorschlag des Cheflektors sein Buch sehr gerne in unserem Verlag veröffentlichen würden, allerdings sei unser Verlagsbudget für Neuerscheinungen in diesem Jahr bereits verplant, sodass das Buch frühestens im nächsten oder übernächsten Jahr erscheinen könne. Da dies aber schade wäre, unterbreite ich den Vorschlag, gegen eine Beteiligung des Autors an den Druck- und Vermarktungskosten das Buch kurzfristig herauszubringen. Dabei verweise ich auf Goethe und andere bekannte Dichter und Schriftsteller, die auch bei ihren ersten Werken für die Veröffentlichung gezahlt hätten und damit die Grundlage für ihre späteren großen Erfolge legten, weil sie an sich und die Qualität ihrer Arbeit glaubten.

Sie hätten die entsprechenden Investitionen gemacht und bald mehr als nur den „Return on Investment“, wie man heute auf Englisch zu sagen pflegt, erhalten. Außerdem lege ich die Kopie einer Honorarabrechnung eines Autors bei, dessen Bücher sich bei uns sehr gut verkauft haben – Wunder gibt es eben immer wieder, sogar bei uns.

Mitunter weise ich daraufhin, dass sich auch ein größerer Verlag für eines unserer Bücher interessiert hat und der Autor gerne zu diesem wechseln durfte, ein Beweis, wie uneigennützig ich junge Autoren unterstütze.

Dann stelle ich unsere Leistungen dar, dabei vergesse ich auch nicht die kleinste Kleinigkeit. Aber ich vermeide es, die Leistungen zu genau zu beschreiben, vor allem soweit es sich um Werbung und Vermarktung handelt. Folgende Leistungen gehören explizit dazu: Lektorat, Gestaltung des Buchblocks, Gestaltung des Covers, Druck von 1000 oder 2000 Exemplaren – klotzen nicht kleckern, ist die Devise. Dann unsere Vermarktungsaktivitäten wie :

  • Präsentation unserer Bücher im Buchhandel durch Außendienstmitarbeiter – wer weiß schon, wie viele Personen das sind und ob diese exklusiv für mich arbeiten bzw. wie viele Bücher sie außer unseren mit zu den Buchhandlungen nehmen.
  • Teilnahme an diversen (auch internationalen – ein diskreter Hinweis auf den europäischen oder sogar den Weltmarkt!) Buchmessen und dem Auslegen unserer Bücher auf dem jeweiligen Messestand. Aber natürlich sage ich nicht, dass damit vor allem unsere eigene Werbung (durch unsere Autoren) bezahlt wird, denn gerade Buchmessen eignen sich vorzüglich zum Finden neuer Autoren, Buchkäufer sind auch ganz nett, aber für uns nicht so wichtig.
  • dem Druck von Flyern.

Zu unseren weiteren Leistungen gehören auch die ISBN-Nummer und die Meldung an das Verzeichnis lieferbarer Bücher; der Versand von Belegexemplaren an die Nationalbibliothek und andere; die Aufnahme des Buches in unseren Verlagskatalog, auf die Verlagshomepage und in den Verlagspresseverteiler; die Unterstützung bei Vorbereitung und Durchführung von Lesungen usw. Die meisten Werbungskosten verteilen sich bei uns auf unsere vielen Bücher, und fallen daher im Einzelfall nicht besonders ins Gewicht.

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Was wäre, wenn ich Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre?

Hier mein Beitrag zu der im wabe-verlag erschienenen Anthologie “Autoren fallen nicht vom Himmel.

Ein Fiktion

Immer wenn ich mein an Schwindsucht leidendes Bankkonto anschaue, habe ich einen Traum, nämlich, dass ich ein Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre und dadurch mein Konto im positiven und nicht im negativen Bereich wachsen würde.

In meinem Traum besitze ich seit einigen Jahren einen Verlag, dessen Name sich an einen bekannten Literaten oder an den Namen eines großen Verlages anlehnt. Er wechselt von Traum zu Traum immer wieder. Aber ich habe immer eine schön gestaltete Homepage und mache auf Foren und anderen Sites darauf aufmerksam, dass ich an neuen Autoren, jung oder alt, männlich oder weiblich, interessiert bin und dass ich diese fördern und unterstützen will. Manchmal lasse ich auch meine Mitarbeiter – denn alleine schaffe ich die ganze Arbeit nicht, man will ja auch noch was vom Leben haben – auch in Literaturforen nach Texten suchen und die entsprechenden Autoren anschreiben. Daher erreicht mich ein stetiger Strom von Exposés und Manuskripten. Die meisten finde ich interessant, nur wenige sind so schlecht und der Autor vermutlich nicht besonders gut betucht, sodass wir mit einem Gefühl des Bedauerns verzichten müssen, nicht ohne dem angehenden Schriftsteller Hoffnung zu machen, dass es sich für ihn lohnt, weiter zu schreiben.

Ist ein Exposé für uns als Druckkostenzuschussverlag interessant, fordern wir mit „großem“ Interesse das ganze Manuskript an. Sobald dies eingegangen ist, bestätige ich dem Autor, dass ich das Manuskript erhalten habe und dass es mir persönlich nach einer kurzen Durchsicht gut gefallen habe, daher würde das Manuskript im Lektorat eingehendst und sorgfältigst geprüft, wobei neben der Qualität des Textes insbesondere die Möglichkeiten der Vermarktung geprüft würden.

Nach einer angemessenen Frist – nicht zu kurz, da wäre eine eingehende Prüfung unglaubwürdig, aber auch nicht zu lange, dann könnte das Manuskript vielleicht schon bei der Konkurrenz gelandet sein – schreibt dann mein Cheflektor – so ein Titel macht sich immer gut – an den angehenden Schriftsteller, dass sich das Manuskript sehr gut für eine Veröffentlichung eigne. Allerdings wäre natürlich noch ein Lektorat erforderlich, um einige wenige Schwächen zu verbessern und die eine oder andere Formulierung zu glätten. Auch sehe er die Chancen einer Vermarktung sehr positiv, vor allem passe das Manuskript gerade in der heutigen Zeit sehr gut in den Markt oder den derzeitigen Trend, manchmal muss er auch etwas Fantasie dabei entwickeln.

Abschließend teilt der Lektor dem geneigten Autor mit, dass in den nächsten Tagen bei der Redaktionskonferenz endgültig entschieden würde, ob und wann sein Buch herauskommen könne und er möge sich doch noch so lange gedulden. Wichtig dabei ist, dass mein „Chef“-Lektor nicht zu euphorisch schreibt, das könnte vielleicht unglaubwürdig wirken.

Denn wir wissen ja nicht, ob der Autor nicht schon die eine oder andere Absage oder auch mehrere erhalten hat. Manchmal weist er auch vorsichtig auf Ungereimtheiten hin und zeigt damit, dass er sich intensiv mit dem Text beschäftigt hat. Ganz im Vertrauen, das geht meist ganz schnell und macht nur wenig Mühe, denn es ist selten notwendig, mehr als einige Seiten zu lesen, es sei denn, der Lektor ist wirklich gefesselt.

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Wie man eine Oldtimer-Rallye gewinnt (6)

Endlich wird gesagt, in 10-15 min beginne die Siegerehrung, dann dauert es doch noch eine halbe Stunde und mit nicht mehr als 100 Minuten Verspätung – wie lang das sein kann – werden dann die Sieger verkündet.

Zunächst weist der Organisator daraufhin, man hätte eigentlich fast pünktlich beginnen können, aber zu viele Fahrer hätten Einwendungen gegen die Wertung einzelner Aufgaben oder Prüfungen eingelegt, zwar alle ohne Wirkung, mit Ausnahme der langen Wartezeit.

Bei Platz 6 beginnt bei den „Touristen“ die Nennung der Platzierten und die Verteilung der Pokale. Wir werden nicht genannt bis Platz 4 und meine beiden Freunde schauen sich ganz enttäuscht an, so schlecht waren wir ja noch bei keiner Rallye gewesen. Wartet nur ab, denke ich und schon geht es weiter: „Wir haben diesmal 3 Teams mit genau der gleichen Punktzahl und laut dem diesjährigen Reglement hat das Team gewonnen, das die meisten Etappen fehlerfrei gefahren ist.“ Ein eigenwilliges Reglement, aber besser als das letztjährige, wo uns das jugendliche Alter unseres Saab den Sieg vermasselt hatte. Bei uns am Tisch sitzen auch die Drittplazierten, die diese Regelung natürlich nicht so gut finden.

Jetzt wird der Sieger ausgerufen: „Sieger ist Team Nr. 26, Herbert und Ingrid mit einem Saab 96, Baujahr 79.“ Und wo bleibe ich? Ich werde nicht mal erwähnt, das ist schon eine Frechheit und einen eigenen Pokal kriege ich auch nicht, na ja, ein Leckerli oder etwas Käse oder Wurst wären mir auch lieber gewesen. Aber ich freue mich für meine beiden.

Ingrid und Herbert erhalten zwei riesige Pokale, die wir kaum zum Auto schleppen und dort verstauen können. Für mich erhebt sich nur die Frage, sollen wir im nächsten Jahr überhaupt noch mal bei der Rallye starten, denn besser abschneiden als Platz 1 können wir ja nicht.

Schaun wir mal.

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Wie man eine Oldtimer-Rallye gewinnt (5)

Als wir wieder einmal eines übersehen haben, fahren wir gut 15 km zurück und werden fündig, dann kürzen wir den Rückweg zur Rallyestrecke ab, damit wir nicht zuviel Zeit verlieren.

Auf der 3. Etappe können wir schließlich alle Fragen beantworten und auch auf der 4. Etappe haben wir nur einmal ein Problem und so können wir beruhigt zum Münsterplatz fahren, wo dann der Schönheitswettbewerb stattfindet, leider nicht der Hunde – da würde ich sowieso gewinnen, denn die anderen Hundeteilnehmer hätten gegen mich nicht die Spur einer Chance -  sondern der Autos. Auch wir wollen jetzt in Ruhe nochmals alle Oldtimer anschauen. Bedauerlicherweise erweist sich jedoch das Geschenk, das jeder Teilnehmer an der Rallye erhalten hat, als fast prophetisch, denn es gab Regenschirme und die können wir bei dem einsetzenden Regen jetzt gut gebrauchen.

Cremeschnittchen ©walker

Jetzt fahren wir nochmals zum Startplatz, hier soll im nahe  gelegenen Festsaal die Siegerehrung stattfinden. Aber aus dem letzten Jahr wissen wir, der Termin 18 Uhr wird wohl kaum gehalten werden können. Eine halbe Stunde später wird dann ein alter Film über eine Europa-Rallye gezeigt, um die Wartezeit zu überbrücken. Herbert und ich sehen immer wieder auf die Filmspule und freuen uns, als diese langsam zu Ende geht und hoffen, jetzt kommt die Siegerehrung. Doch denkste, der Operator legt nochmals eine große Spule in den 16mm Projektor und wir sind sauer. Herbert und ich, wir sind uns einig, wir gehen.

Doch Ingrid bewegt sich nicht, sie geht einfach nicht mit und ohne sie können wir schlecht heimfahren, also bleiben wir eben auch da. Nur Herbert geht mal kurz ins Foyer und hört den Konkurrenten beim Fachsimpeln zu und erfährt, wie eine etwas unklar formulierte Frage zu interpretieren gewesen wäre und zwar ganz anders, als wir sie verstanden haben. Als er wieder im Saal ist, teilt er uns diese Erkenntnis und die sich ergebende Folgerung mit: wir werden nicht unter den ersten 3 platziert sein. Ingrid ist auch geknickt, nur ich bin sicher, wir haben keinen Fehler gemacht, ich habe doch schließlich aufgepasst!

Aber ich halte mich zurück, denn vielleicht schafft es Herbert mit dieser Begründung, Ingrid zum Gehen zu bewegen, denn mir ist langweilig. Doch Ingrid bleibt, also bleiben wir auch.

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Wie man eine Oldtimer-Rallye gewinnt (4)

Bei der nächsten Kontrollstelle wollen die Verantwortlichen schon abbauen, obwohl wir doch noch mehr als 5 Minuten Zeit haben. Auch Bild 8 finden wir nicht und ich bin gar nicht so traurig darüber, denn jetzt können wir ohne Druck weiterfahren. Wir haben sowieso keine Chance mehr auf den Sieg. Bedingt durch die vielen Fehlfahrten bleibt für die Mittagspause wenig Zeit, aber da es nur Salat für die beiden Vegetarier gibt, können wir sogar noch kurz Gassi gehen. Schließlich muss ich mir auch mal die Pfoten vertreten.

Die 2. Etappe am Nachmittag läuft dann besser, allerdings hat Herbert an Start und Ziel Probleme das Auto wieder zu starten. Er orgelt und orgelt und gerade als die ersten Helfer zum Anschieben kommen wollen, hat der Motor ein Einsehen. Beim festlichen Abendessen wird auch das Zwischenergebnis ausgehängt und wir liegen noch in Reichweite zum Siegertreppchen, so auf Platz 4. Ich verzichte allerdings auf das vornehme Restaurant und aufs Buffet und mache es mir im Hotelzimmer bequem. So eine Rallye ist doch schließlich anstrengend. Spät kommen sie zurück – vom frühen Schlafengehen während eines Wettbewerbs haben die beiden scheinbar noch nie was gehört.

Am anderen Morgen erweist es sich als unnötig, dass Herbert den Wagen so abgestellt hat, dass er ggf. bergab anspringt. Obwohl eigentlich im Minutenabstand gestartet wird, haben wir nach wenigen hundert Meter bereits die beiden vor uns gestarteten Wagen eingeholt und sehen rechts bereits das erste Motiv, das wir finden müssen. Ohne die Geschwindigkeit zu drosseln – in der Stadt hält sich Herbert konsequent an seine Geschwindigkeitsbegrenzung, die sich allerdings etwas von der staatlichen unterscheidet – fahren wir an dem Objekt vorbei, denn wir wollen die Konkurrenz doch nicht aufmerksam machen und vergewissern uns nur so aus den Augenwinkeln, ob es das Richtige ist. Wir hoffen, die anderen übersehen vielleicht das Objekt und verlieren so wertvolle Punkte.

Saab 96 ©walker

Herbert überlegt danach, soll er Stehversuche machen oder den anderen davonfahren, da die aber über die schnelleren Wagen verfügen, hält er kurz an und folgt dann wieder als letzter den Konkurrenten. Gestern haben wir es vielleicht zu spät gemerkt und auch heute sind wir wieder fast darauf reingefallen, dass hin und wieder 2 Bildmotive ganz dicht beieinander liegen und das nächste dann sehr weit entfernt ist.

Hier können Sie das Buch erwerben

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Wie man eine Oldtimer-Rallye gewinnt (3)

Kurz haben wir noch Zeit unser Bordbuch zu studieren, dann erhalten wir die Bordkarte und die Aufgaben. So ein Bordbuch – klingt irgendwie ganz maritim – zu lesen, ist gar nicht so einfach. Bei unserer 1. Rallye sind wir anfangs ganz schön durch die Gegend geirrt, bis sich Ingrid dann zurechtgefunden hat. Aber Herbert hat sich damals auch nicht sehr viel klüger angestellt und ich hab’ – wie meist im Auto – ein kleineres Schläfchen gehalten. Wenn sie mich geweckt hätten, hätte ich ihnen schon gesagt, wie sie fahren müssen.

Aber jetzt sind wir echte Profis und lassen uns durch die Zeichnungen nicht durcheinander bringen. Nur die Umrechnung von Meter in Kilometer verwirrt manchmal, und Herbert muss außerdem immer prüfen, ob Ingrid auch links meint, wenn sie links sagt oder ob es nicht doch rechts ist. Aber mehr als 3-4 mal pro Etappe kommt das nicht vor.

Ingrid hat auch den viel schwereren Job. Sie muss sagen, wo es langgeht und sie ist in erster Linie fürs Finden der Bildmotive zuständig, manchmal unterstütze ich sie dabei sehr lautstark. Sie muss die Lösungen aufschreiben, die Bordkarte stempeln lassen und Herbert sitzt bequem da und fährt so gemütlich dahin. Allerdings hat unser Saab keine Servolenkung und keine Servobremse und bei den kurvenreichen Strecken strengt das doch etwas an, zumindest behauptet das Herbert. Aber ich vermute, er will Ingrid nur davon abhalten, selbst zu fahren, denn dann müsste er die ganze Arbeit machen.

Da die Bilder in der richtigen Reihenfolge abgebildet sind, kann man leicht feststellen, wenn man ein Objekt nicht gefunden hat. Mich und Herbert stört das eigentlich nicht, aber unsere ehrgeizige Ingrid will heute unbedingt gewinnen, denn es hat sie letztes Mal doch gewurmt, dass wir mit gleicher Punktzahl wie der Sieger nur 2. geworden sind, weil dessen Auto ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hatte.

Die ersten 3 Bilder finden wir leicht, doch dann ist es wie abgeschnitten, nichts mehr zu sehen. Sollte solange kein Objekt mehr fotografiert worden sein? Vorsichtshalber sehen wir uns auch die nächsten Bilder an und finden bald ein Motiv. Dabei stellen wir dann mit Erschrecken fest, dass wir 2 nicht gefunden haben. Was soll’s, denk ich mir noch, doch Ingrid meint, wir müssten umdrehen und Herbert ist auch noch so gutmütig und tut das.

Dann finden wir Bild 4 und Herbert kann seinen Saab wieder in die richtige Richtung wenden. Doch Bild 5 ist und bleibt für uns unauffindbar, denn wir sind bereits wieder an der Stelle, wo wir schon einmal umgedreht hatten. Unter ersten deutlichen Protestäußerungen, die aber bei Ingrid ohne jede Wirkung bleiben, wendet Herbert erneut, doch wieder werden wir nicht fündig. Jetzt fährt Herbert dann aber weiter, denn obwohl es kein Geschwindigkeitsrennen ist, müssen wir uns doch innerhalb des großzügigen Zeitlimits bewegen.

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Wie gewinnt man eine Oldtimer-Rallye (2)

Della ©walker

Aber er macht Herbert noch rechtzeitig darauf aufmerksam, dass die Abgasuntersuchung überfällig wäre, dies hätte am anderen Tag vielleicht den Ausschluss von der Rallye bedeutet. Nachdem diese Untersuchung erledigt ist, folgt nur noch das Waschen und Polieren unseres „Oldies“. Also ich sehe Herbert immer nur einmal im Jahr ein Auto waschen, nämlich jeweils unseren Saab am Tag vor der Rallye, sonst verlässt er sich ausschließlich auf die Reinigungskraft des Regens. Ingrid darf auch mithelfen und den Innenraum säubern. Dann fehlt noch eine Warnlampe, die Herbert gerade noch wenige Minuten vor Ladenschluss erwerben kann. Auch Warndreieck und Verbandskasten müssen noch verstaut und zur Sicherheit die Startkabel und Poliermittel eingeladen werden, denn vielleicht findet Ingrid noch eine Stelle, die noch nicht im Hochglanz erstrahlt.

Dann die vorhandenen Straßen- und Wanderkarten aus der Region gesucht, ebenso genügend Schreibutensilien, ein Meterstab – man kann ja nie wissen – die beiden Fotoapparate und noch schnell die Handys aufladen. Schließlich sind wir für den anderen Morgen gerüstet.

Früh müssen wir aufstehen, denn bereits um 9 Uhr erfolgt der Start in Ulm, vorher noch 50 km fahren, Startnummern holen und am Auto anbringen, die Wagenkontrolle anstandslos überstehen. Dann dürfen wir uns, diesmal relativ früh, in die Startschlange einreihen, denn die Teilnehmer der Touristikausfahrt starten heute vor den Gleichmäßigkeitsfahrern.

Was der Unterschied ist, wollen Sie wissen? Die „Touristen“ erhalten neben der Bordkarte jeweils etliche Seiten mit Bildern, die sie in natura finden müssen, manchmal sind auch Fragen zu beantworten. Ich wundere mich nur, das Ingrid hierfür nicht noch mindestens ein einbändiges Lexikon mit auf die Strecke nimmt, na ja vielleicht beim nächsten Start.

Die Gleichmäßigkeitsfahrer müssen bei den verschiedenen Wertungsprüfungen eine bestimmte, genau ausgemessene Wegstrecke mit einer bestimmten Durchschnittsgeschwindigkeit durchfahren und die entsprechende Zeit wird gemessen. Doch dies bedeutet beileibe nicht, dass die mit der angegebenen Geschwindigkeit fahren. Meist fahren sie bis kurz vor dem Ziel deutlich schneller, um dann anzuhalten und dann mittels Stoppuhr möglichst auf die Sekunde genau durch die Zeitkontrolle zu fahren.

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Wie man eine Oldtimer-Rallye gewinnt (1)

Sie wollen wissen, was Della in ihrem Ratgeber für alle Lebenslagen zu erzählen weiß, hier der Anfang einer Kurzgeschichte

Saab 96 ©walker

Zwingende Voraussetzung dafür ist, dass man einen Oldtimer besitzt oder einen Veranstalter findet, der auch Youngtimer zulässt und der eigene alt genug ist, um starten zu dürfen, wobei die einzelnen Veranstalter da durchaus willkürliche Grenzen ziehen. Mal beginnen die Oldtimer mit 25, mal mit 30 Jahren und die Youngtimer – welch tolle Wortschöpfung – mit 20 oder mit 22 oder mit 25 Jahren. Dies hängt meines Erachtens oft von der gewünschten und finanziell erforderlichen Teilnehmerzahl ab.

Die zweite Voraussetzung ist, dass der Wagen die Strecke auch durchhält, immer anspringt und er muss natürlich verkehrstauglich sein, denn das wird vor dem Start immer mehr oder weniger genau geprüft.

Last not least muss man sich rechtzeitig anmelden, das ist bei uns mitunter ein Problem, so haben wir es letztes Mal wegen dem Urlaub versäumt, durften aber noch kostenfrei nachmelden.

Jetzt gilt es nur noch den Wagen vorzubereiten. Diesmal können wir den Saab leider erst einen Tag vor der Rallye aus dem Winterquartier holen, allerdings schon bald am Morgen, bald das ist bei uns so gegen 10 Uhr. Natürlich springt der Motor nach über 6 Monaten Stillstand nicht sofort an. Kein Problem, denkt Herbert, von der Garage geht es einen Berg steil bergab und bei so einem alten Auto funktioniert das Anlassen im 2. Gang bei entsprechender Geschwindigkeit. Doch heute leider nicht. Unten am Berg – also zu spät – kommt ihm dann die Erleuchtung. Bei einem 96er Saab kann mensch und Herbert hat das immer gemacht, einen Freilauf einlegen und dann schalten ohne zu kuppeln. Dumm gelaufen. Doch wir haben natürlich ein Startkabel zum Überbrücken dabei.

Dann wird es spannend. Herbert bringt die Kabel an und setzt sich dann ans Steuer des Suzuki, um zu starten. Sobald der Saab läuft, muss er die Kabel wieder entfernen, aber dann geht vielleicht der Motor wieder aus, also soll Ingrid von rechts in den Saab einsteigen und wenn Herbert das Gaspedal freigibt, sofort Gasgeben. Wenn Herbert dann die Kabel gelöst hat, folgt das gleiche Spiel, nur umgekehrt. Beim 2. Mal hat das Spielchen dann auch funktioniert. Herbert macht eine kleine Rundfahrt zum Saabhändler, er will eine neue Batterie einbauen lassen. Doch zu seinem großen Erstaunen meint dieser, das sei nicht notwendig, nach einer längeren Fahrt sei die Batterie wieder voll einsatzfähig, was sich dummerweise als nur bedingt richtig herausstellt.

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