Monatsarchiv für Mai 2009

Mai 30 2009

Profile Image of wabe
wabe

Was wäre, wenn…(2)

Abgelegt unter Autoren-Anthologie

Denn wir wissen ja nicht, ob der Autor nicht schon die eine oder andere Absage oder auch mehrere erhalten hat. Manchmal weist er auch vorsichtig auf Ungereimtheiten hin und zeigt damit, dass er sich intensiv mit dem Text beschäftigt hat. Ganz im Vertrauen, das geht meist ganz schnell und macht nur wenig Mühe, denn es ist selten notwendig, mehr als einige Seiten zu lesen, es sei denn, der Lektor ist wirklich gefesselt.

Nach gut zehn Tagen schreibe ich dann wieder persönlich an den Autor und teile ihm mit, dass wir auf Vorschlag des Cheflektors sein Buch sehr gerne in unserem Verlag veröffentlichen würden, allerdings sei unser Verlagsbudget für Neuerscheinungen in diesem Jahr bereits verplant, sodass das Buch frühestens im nächsten oder übernächsten Jahr erscheinen könne.

Da dies aber schade wäre, unterbreite ich den Vorschlag, gegen eine Beteiligung des Autors an den Druck- und Vermarktungskosten das Buch kurzfristig herauszubringen.

Dabei verweise ich auf Goethe und andere bekannte Dichter und Schriftsteller, die auch bei ihren ersten Werken für die Veröffentlichung gezahlt hätten und damit die Grundlage für ihre späteren großen Erfolge legten, weil sie an sich und die Qualität ihrer Arbeit glaubten.

Sie hätten die entsprechenden Investitionen gemacht und bald mehr als nur den „Return on Investment”, wie man heute auf Englisch zu sagen pflegt, erhalten.

Außerdem lege ich die Kopie einer Honorarabrechnung eines Autors bei, dessen Bücher sich bei uns sehr gut verkauft haben – Wunder gibt es eben immer wieder, sogar bei uns.

Mitunter weise ich daraufhin, dass sich auch ein größerer Verlag für eines unserer Bücher interessiert hat und der Autor gerne zu diesem wechseln durfte, ein Beweis, wie uneigennützig ich junge Autoren unterstütze.

Dann stelle ich unsere Leistungen dar, dabei vergesse ich auch nicht die kleinste Kleinigkeit. Aber ich vermeide es, die Leistungen zu genau zu beschreiben, vor allem soweit es sich um Werbung und Vermarktung handelt.

Folgende Leistungen gehören explizit dazu: Lektorat, Gestaltung des Buchblocks, Gestaltung des Covers, Druck von 1000 oder 2000 Exemplaren – klotzen nicht kleckern, ist die Devise. Dann unsere Vermarktungsaktivitäten wie :

  • Präsentation unserer Bücher im Buchhandel durch Außendienstmitarbeiter – wer weiß schon, wie viele Personen das sind und ob diese exklusiv für mich arbeiten bzw. wie viele Bücher sie außer unseren mit zu den Buchhandlungen nehmen.
  • Teilnahme an diversen (auch internationalen – ein diskreter Hinweis auf den europäischen oder sogar den Weltmarkt!) Buchmessen und dem Auslegen unserer Bücher auf dem jeweiligen Messestand. Aber natürlich sage ich nicht, dass damit vor allem unsere eigene Werbung (durch unsere Autoren) bezahlt wird, denn gerade Buchmessen eignen sich vorzüglich zum Finden neuer Autoren, Buchkäufer sind auch ganz nett, aber für uns nicht so wichtig.
  • dem Druck von Flyern.

Zu unseren weiteren Leistungen gehören auch die ISBN-Nummer und die Meldung an das Verzeichnis lieferbarer Bücher; der Versand von Belegexemplaren an die Nationalbibliothek und andere; die Aufnahme des Buches in unseren Verlagskatalog, auf die Verlagshomepage und in den Verlagspresseverteiler; die Unterstützung bei Vorbereitung und Durchführung von Lesungen usw.

Die meisten Werbungskosten verteilen sich bei uns auf unsere vielen Bücher, und fallen daher im Einzelfall nicht besonders ins Gewicht.

Außerdem weise ich aber darauf hin, dass sich gerade ein unbekannter Autor natürlich auch selbst in die Werbung und den Verkauf seiner Bücher einbringen müsse.

Wenn es dann nicht so klappt wie vom Autor erwartet – unsere Erwartungen sind da immer sehr realistisch – liegt zumindest die Schuld nicht bei uns. Dann nenne ich den eigentlich erforderlichen Druckkostenzuschuss und teile dem Autor mit, wie viel er pro Buch verdienen kann. Der Betrag liegt deutlich über dem Prozentsatz, den andere Verlage einem unbekannten Autor zahlen.

Meist kann er schon nach dem Verkauf von wenigen tausend Büchern echt Geld verdienen und das dürfte ja nicht schwer sein, sagt sich meist der Autor. Weiter informiere ich ihn, wie günstig er das Buch bei uns zum Selbstverkauf erwerben kann.

Schließlich unterbreite ich ihm noch ein Schnäppchenangebot für sein erstes Buch, das ich jeweils unterschiedlich begründe und lade ihn ein – falls er nicht gerade in der Nachbarschaft wohnt -  unseren Verlag doch einmal zu besuchen.

3 Kommentare

Mai 24 2009

Profile Image of wabe
wabe

Was wäre, wenn ich Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre?

Abgelegt unter Autoren-Anthologie

In den nächsten Postings möchte ich Ihnen meinen Beitrag in der Anthologie “Autoren fallen nicht vom Himmel”, die in meinem Verlag erschienen ist und natürlich ist alles meiner Fantasie entsprungen und beansprucht nicht, die Realität wieder zu spiegeln.

Eine Fiktion

Immer wenn ich mein an Schwindsucht leidendes Bankkonto anschaue, habe ich einen Traum, nämlich, dass ich ein Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre und dadurch mein Konto im positiven und nicht im negativen Bereich wachsen würde.

In meinem Traum besitze ich seit einigen Jahren einen Verlag, dessen Name sich an einen bekannten Literaten oder an den Namen eines großen Verlages anlehnt. Er wechselt von Traum zu Traum immer wieder. Aber ich habe immer eine schön gestaltete Homepage und mache auf Foren und anderen Sites darauf aufmerksam, dass ich an neuen Autoren, jung oder alt, männlich oder weiblich, interessiert bin und dass ich diese fördern und unterstützen will. Manchmal lasse ich auch meine Mitarbeiter – denn alleine schaffe ich die ganze Arbeit nicht, man will ja auch noch was vom Leben haben – auch in Literaturforen nach Texten suchen und die entsprechenden Autoren anschreiben.

Daher erreicht mich ein stetiger Strom von Exposés und Manuskripten. Die meisten finde ich interessant, nur wenige sind so schlecht und der Autor vermutlich nicht besonders gut betucht, sodass wir mit einem Gefühl des Bedauerns verzichten müssen, nicht ohne dem angehenden Schriftsteller Hoffnung zu machen, dass es sich für ihn lohnt, weiter zu schreiben.

Ist ein Exposé für uns als Druckkostenzuschussverlag interessant, fordern wir mit „großem” Interesse das ganze Manuskript an. Sobald dies eingegangen ist, bestätige ich dem Autor, dass ich das Manuskript erhalten habe und dass es mir persönlich nach einer kurzen Durchsicht gut gefallen habe, daher würde das Manuskript im Lektorat eingehendst und sorgfältigst geprüft, wobei neben der Qualität des Textes insbesondere die Möglichkeiten der Vermarktung geprüft würden.

Nach einer angemessenen Frist – nicht zu kurz, da wäre eine eingehende Prüfung unglaubwürdig, aber auch nicht zu lange, dann könnte das Manuskript vielleicht schon bei der Konkurrenz gelandet sein – schreibt dann mein Cheflektor – so ein Titel macht sich immer gut – an den angehenden Schriftsteller, dass sich das Manuskript sehr gut für eine Veröffentlichung eigne.

Allerdings wäre natürlich noch ein Lektorat erforderlich, um einige wenige Schwächen zu verbessern und die eine oder andere Formulierung zu glätten. Auch sehe er die Chancen einer Vermarktung sehr positiv, vor allem passe das Manuskript gerade in der heutigen Zeit sehr gut in den Markt oder den derzeitigen Trend, manchmal muss er auch etwas Fantasie dabei entwickeln.

Abschließend teilt der Lektor dem geneigten Autor mit, dass in den nächsten Tagen bei der Redaktionskonferenz endgültig entschieden würde, ob und wann sein Buch herauskommen könne und er möge sich doch noch so lange gedulden.

Wichtig dabei ist, dass mein „Chef”-Lektor nicht zu euphorisch schreibt, das könnte vielleicht unglaubwürdig wirken.

2 Kommentare

Mai 16 2009

Profile Image of wabe
wabe

Autoren fallen nicht vom Himmel

Abgelegt unter Allgemein

 Nachdem ich in den letzten Wochen eine Kurzgeschichte aus Dellas Ratgeber vorgestellt habe, möchte ich heute eine Anthologie aus meinem Verlag vorstellen, in dem ich nur einer von mehreren Autoren bin und meine Kurzgeschichte möchte ich Ihnen dann anschließend vorstellen.

antho-hp

18 Autoren erzählen in diesem Buch ganz individuell und in unterschiedlichen Darstellungsformen die Geschichte ihres Schreibens und ihrer Erfahrungen, die sie in der oft fast undurchschaubaren Szene der Verlage und des Büchermarktes gemacht haben.

Sie verweisen auf Erfolge und scheuen auch vor der Darstellung von Misserfolgen oder negativer Erlebnisse nicht zurück.

Dabei wird aufgezeigt, wie manche „sogenannte” Verlage weniger am Inhalt sondern nur am Geld des Autors interessiert sind, welches der Autor ihnen für die Veröffentlichung zahlen soll, eine Perversion des eigentlichen Verlagsgedanken.

Die Autoren sagen, was für sie das Schreiben bedeutet und zeigen, wie sie es machen.

Sie wollen Menschen Mut machen, die sich diesem Hobby – das für viele aber weit mehr ist – verschreiben wollen.

Gleichzeitig wollen sie auf die Tücken des Verlagsgeschäfts aufmerksam machen und vor manchen schwarzen Schafen warnen.

Keine Kommentare

Mai 10 2009

Profile Image of wabe
wabe

Wie gewinnt man eine Oldtimer-Rallye (Schluss)

Abgelegt unter Dellas Ratgeber

isetta-kopie

Jetzt fahren wir nochmals zum Startplatz, hier soll im nahe  gelegenen Festsaal die Siegerehrung stattfinden.

Aber aus dem letzten Jahr wissen wir, der Termin 18 Uhr wird wohl kaum gehalten werden können. Eine halbe Stunde später wird dann ein alter Film über eine Europa-Rallye gezeigt, um die Wartezeit zu überbrücken.

Herbert und ich sehen immer wieder auf die Filmspule und freuen uns, als diese langsam zu Ende geht und hoffen, jetzt kommt die Siegerehrung. Doch denkste, der Operator legt nochmals eine große Spule in den 16mm Projektor und wir sind sauer. Herbert und ich, wir sind uns einig, wir gehen.

Doch Ingrid bewegt sich nicht, sie geht einfach nicht mit und ohne sie können wir schlecht heimfahren, also bleiben wir eben auch da.

Nur Herbert geht mal kurz ins Foyer und hört den Konkurrenten beim Fachsimpeln zu und erfährt, wie eine etwas unklar formulierte Frage zu interpretieren gewesen wäre und zwar ganz anders, als wir sie verstanden haben.

Als er wieder im Saal ist, teilt er uns diese Erkenntnis und die sich ergebende Folgerung mit: wir werden nicht unter den ersten 3 platziert sein. Ingrid ist auch geknickt, nur ich bin sicher, wir haben keinen Fehler gemacht, ich habe doch schließlich aufgepasst!

Aber ich halte mich zurück, denn vielleicht schafft es Herbert mit dieser Begründung, Ingrid zum Gehen zu bewegen, denn mir ist langweilig. Doch Ingrid bleibt, also bleiben wir auch.

Endlich wird gesagt, in 10-15 min beginne die Siegerehrung, dann dauert es doch noch eine halbe Stunde und mit nicht mehr als 100 Minuten Verspätung – wie lang das sein kann – werden dann die Sieger verkündet.

Zunächst weist der Organisator daraufhin, man hätte eigentlich fast pünktlich beginnen können, aber zu viele Fahrer hätten Einwendungen gegen die Wertung einzelner Aufgaben oder Prüfungen eingelegt, zwar alle ohne Wirkung, mit Ausnahme der langen Wartezeit.

Bei Platz 6 beginnt bei den „Touristen” die Nennung der Platzierten und die Verteilung der Pokale. Wir werden nicht genannt bis Platz 4 und meine beiden Freunde schauen sich ganz enttäuscht an, so schlecht waren wir ja noch bei keiner Rallye gewesen.

Wartet nur ab, denke ich und schon geht es weiter: „Wir haben diesmal 3 Teams mit genau der gleichen Punktzahl und laut dem diesjährigen Reglement hat das Team gewonnen, das die meisten Etappen fehlerfrei gefahren ist.”  Ein eigenwilliges Reglement, aber besser als das letztjährige, wo uns das jugendliche Alter unseres Saab den Sieg vermasselt hatte. Bei uns am Tisch sitzen auch die Drittplazierten, die diese Regelung natürlich nicht so gut finden.

Jetzt wird der Sieger ausgerufen: „Sieger ist Team Nr. 26, Herbert und Ingrid mit einem Saab 96, Baujahr 79.

Und wo bleibe ich? Ich werde nicht mal erwähnt, das ist schon eine Frechheit und einen eigenen Pokal kriege ich auch nicht, na ja, ein Leckerli oder etwas Käse oder Wurst wären mir auch lieber gewesen. Aber ich freue mich für meine beiden.

Ingrid und Herbert erhalten zwei riesige Pokale, die wir kaum zum Auto schleppen und dort verstauen können. Für mich erhebt sich nur die Frage, sollen wir im nächsten Jahr überhaupt noch mal bei der Rallye starten, denn besser abschneiden als Platz 1 können wir ja nicht.

Schaun wir mal.

Keine Kommentare

Mai 02 2009

Profile Image of wabe
wabe

wie man eine Oldtimer-Rallye gewinnt (5)

Abgelegt unter Dellas Ratgeber

kopf-im-steinbruch

Am anderen Morgen erweist es sich als unnötig, dass Herbert den Wagen so abgestellt hat, dass er ggf. bergab anspringt.

Obwohl eigentlich im Minutenabstand gestartet wird, haben wir nach wenigen hundert Meter bereits die beiden vor uns gestarteten Wagen eingeholt und sehen rechts bereits das erste Motiv, das wir finden müssen.

Ohne die Geschwindigkeit zu drosseln – in der Stadt hält sich Herbert konsequent an seine Geschwindigkeitsbegrenzung, die sich allerdings etwas von der staatlichen unterscheidet – fahren wir an dem Objekt vorbei, denn wir wollen die Konkurrenz doch nicht aufmerksam machen und vergewissern uns nur so aus den Augenwinkeln, ob es das Richtige ist. Wir hoffen, die anderen übersehen vielleicht das Objekt und verlieren so wertvolle Punkte.

Herbert überlegt danach, soll er Stehversuche machen oder den anderen davonfahren, da die aber über die schnelleren Wagen verfügen, hält er kurz an und folgt dann wieder als letzter den Konkurrenten.

Gestern haben wir es vielleicht zu spät gemerkt und auch heute sind wir wieder fast darauf reingefallen, dass hin und wieder 2 Bildmotive ganz dicht beieinander liegen und das nächste dann sehr weit entfernt ist.

Als wir wieder einmal eines übersehen haben, fahren wir gut 15 km zurück und werden fündig, dann kürzen wir den Rückweg zur Rallyestrecke ab, damit wir nicht zuviel Zeit verlieren.

Auf der 3. Etappe können wir schließlich alle Fragen beantworten und auch auf der 4. Etappe haben wir nur einmal ein Problem und so können wir beruhigt zum Münsterplatz fahren, wo dann der Schönheitswettbewerb stattfindet, leider nicht der Hunde – da würde ich sowieso gewinnen, denn die anderen Hundeteilnehmer hätten gegen mich nicht die Spur einer Chance -  sondern der Autos.

Auch wir wollen jetzt in Ruhe nochmals alle Oldtimer anschauen. Bedauerlicherweise erweist sich jedoch das Geschenk, das jeder Teilnehmer an der Rallye erhalten hat, als fast prophetisch, denn es gab Regenschirme und die können wir bei dem einsetzenden Regen jetzt gut gebrauchen.

Keine Kommentare

blogoscoop Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de blog-o-rama.deTopBlogger.net - Die Topsite für Blogger