Was wäre, wenn ich Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre?

Hier mein Beitrag zu der im wabe-verlag erschienenen Anthologie „Autoren fallen nicht vom Himmel.

Ein Fiktion

Immer wenn ich mein an Schwindsucht leidendes Bankkonto anschaue, habe ich einen Traum, nämlich, dass ich ein Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre und dadurch mein Konto im positiven und nicht im negativen Bereich wachsen würde.

In meinem Traum besitze ich seit einigen Jahren einen Verlag, dessen Name sich an einen bekannten Literaten oder an den Namen eines großen Verlages anlehnt. Er wechselt von Traum zu Traum immer wieder. Aber ich habe immer eine schön gestaltete Homepage und mache auf Foren und anderen Sites darauf aufmerksam, dass ich an neuen Autoren, jung oder alt, männlich oder weiblich, interessiert bin und dass ich diese fördern und unterstützen will. Manchmal lasse ich auch meine Mitarbeiter – denn alleine schaffe ich die ganze Arbeit nicht, man will ja auch noch was vom Leben haben – auch in Literaturforen nach Texten suchen und die entsprechenden Autoren anschreiben. Daher erreicht mich ein stetiger Strom von Exposés und Manuskripten. Die meisten finde ich interessant, nur wenige sind so schlecht und der Autor vermutlich nicht besonders gut betucht, sodass wir mit einem Gefühl des Bedauerns verzichten müssen, nicht ohne dem angehenden Schriftsteller Hoffnung zu machen, dass es sich für ihn lohnt, weiter zu schreiben.

Ist ein Exposé für uns als Druckkostenzuschussverlag interessant, fordern wir mit „großem“ Interesse das ganze Manuskript an. Sobald dies eingegangen ist, bestätige ich dem Autor, dass ich das Manuskript erhalten habe und dass es mir persönlich nach einer kurzen Durchsicht gut gefallen habe, daher würde das Manuskript im Lektorat eingehendst und sorgfältigst geprüft, wobei neben der Qualität des Textes insbesondere die Möglichkeiten der Vermarktung geprüft würden.

Nach einer angemessenen Frist – nicht zu kurz, da wäre eine eingehende Prüfung unglaubwürdig, aber auch nicht zu lange, dann könnte das Manuskript vielleicht schon bei der Konkurrenz gelandet sein – schreibt dann mein Cheflektor – so ein Titel macht sich immer gut – an den angehenden Schriftsteller, dass sich das Manuskript sehr gut für eine Veröffentlichung eigne. Allerdings wäre natürlich noch ein Lektorat erforderlich, um einige wenige Schwächen zu verbessern und die eine oder andere Formulierung zu glätten. Auch sehe er die Chancen einer Vermarktung sehr positiv, vor allem passe das Manuskript gerade in der heutigen Zeit sehr gut in den Markt oder den derzeitigen Trend, manchmal muss er auch etwas Fantasie dabei entwickeln.

Abschließend teilt der Lektor dem geneigten Autor mit, dass in den nächsten Tagen bei der Redaktionskonferenz endgültig entschieden würde, ob und wann sein Buch herauskommen könne und er möge sich doch noch so lange gedulden. Wichtig dabei ist, dass mein „Chef“-Lektor nicht zu euphorisch schreibt, das könnte vielleicht unglaubwürdig wirken.

Denn wir wissen ja nicht, ob der Autor nicht schon die eine oder andere Absage oder auch mehrere erhalten hat. Manchmal weist er auch vorsichtig auf Ungereimtheiten hin und zeigt damit, dass er sich intensiv mit dem Text beschäftigt hat. Ganz im Vertrauen, das geht meist ganz schnell und macht nur wenig Mühe, denn es ist selten notwendig, mehr als einige Seiten zu lesen, es sei denn, der Lektor ist wirklich gefesselt.

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