Was wäre, wenn ich Druckkostenzuschussverlagsverleger wäre (Ende)

Ich gründe einen Verlag. Dafür benötige ich einen Gewerbeschein meiner Gemeinde für zehn Euro. Dann suche ich mir einen schönen Verlagsnamen. Nicht schlecht wäre es vielleicht, sich mit einem anderen kleineren Verlag zusammenzutun, der bereits einige Bücher herausgebracht hat.

Anschließend kaufe ich eine Menge ISBN-Nummern ein. Für den Anfang tun es sicher hundert oder soll ich gleich in die Vollen greifen und mir tausend sichern?

Vielleicht besser, da wirkt auf den Uneingeweihten der Verlag durch die Verlagsnummer gleich viel größer und gewichtiger und der Preis ist gar nicht so viel höher.

Jetzt kann ich starten, jetzt bin ich fit. Marketing und Werbung ist das A und O.  Vielleicht zuerst im Internet – also eine eigene Homepage muss schon sein – gut, dass ich einen Internetfreak kenne! Dann das Anschreiben von Autoren in Literaturforen und eine entsprechende Werbung auf einschlägigen Sites. Noch eine billige Druckerei suchen, das Lektorat könnte meine Frau machen, aber als Cheflektorin würde das vielleicht nicht so gut wirken, aber meine Nichte studiert Germanistik, hat einen anderen Familiennamen und will gerne einige Euro verdienen. Dann brauch ich noch einen Layouter für das Cover. Wirklich? Das kann ich dank entsprechender PC-Programme eigentlich selbst machen, vor allem, wenn ich meine Bücher nach dem Motto gestalte: Weniger ist mehr.

Vielleicht sollte ich noch einen Kontakt zu einem Autorenverband oder –verein aufnehmen? Wenn der mich weiter empfiehlt, macht sich das für Newcomer besonders gut. Da eine Hand die andere wäscht, weise ich natürlich auch auf die besondere Qualität des Verbandes und seiner Autoren hin.

Sonst ist alles business as usual. Warum nur mache ich das nicht wirklich? Vielleicht, weil aus dem schönen Traum manchmal ein schlechter Traum wird.

Wenn ich mich gegen die Anfeindungen von wenig erfolgreichen Autoren zur Wehr setzen oder in Internetforen völlig haltlose Angriffe auf meinen Verlag lesen müsste. In meinem Traum lasse ich aber lesen und tue mir das nicht selbst an. Jedoch muss man mitunter den Angriffen doch frontal begegnen. Meine Anwälte kennen sich damit sehr gut aus. Mitunter schreibe ich auch selbst unter einem Nick und betone, wie zufrieden ich als Autor mit dem Verlag bin.

Solange es Autoren gibt, die für die Befriedigung ihrer Eitelkeit gutes Geld bezahlen, ist ein Druckkostenzuschussverlag eigentlich eine todsichere Sache. Aber ich glaube, ich mache es nicht

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