Der Anfang nach dem Ende (2)

Daher hatte er einen Hals-Nasen-Ohren Spezialisten aufgesucht. Leider hatte der Besuch in der Praxis keine Klärung gebracht, denn es Dr. Franke nicht möglich gewesen mittels eines Stahlröhrchens in Michaels Rachen zu schauen, da den Patienten ein heftiger Würgereiz überfallen hatte, sodass der Arzt alle Mühe hatte, sich vor dem leichten Nässeschwall, der Michaels Mund explosionsartig verließ, zu schützen. Nach mehreren Versuchen hatte der Arzt seine Bemühungen abgebrochen: „Kommen Sie nächste Woche in meine Belegstation ins Krankenhaus, da können wir dann die Untersuchung mittels einer beweglichen Sonde durch die Nase durchzuführen. Aber das ist nur zur Sicherheit, denn bei Ihnen liegen ja keinerlei Risikofaktoren vor, also wird es was Harmloses sein. Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Hauser.“

Ein Blick zur Uhr, Michael wartete schon mehr als eine Stunde in der Klinik. Er ging zum Fenster und sah sein schwaches Spiegelbild im Fenster: Einen mittelgroßen Mann, dessen ehemals rote Haare sich durch silberne Fäden in Richtung Gold veränderten, mit einem kurz gestutzten Bart im unauffälligen Gesicht und einen leichten Bauchansatz, den auch die gut geschnittene Kleidung nicht mehr verbergen konnte.

Wieder nahm er die Zeitschriften zur Hand, doch irrten seine Gedanken weiter in der Vergangenheit. Michael wurde immer nervöser. Endlich untersuchte ihn ein Assistenzarzt, wieder klappte nur die Sondenuntersuchung durch die Nase. Irgendwie empfand er dabei ein ganz komisches Gefühl, er atmete immer hektischer. Wieder beantwortete er die immer gleichen Fragen zu seiner Lebensweise, die sich der Arzt kommentarlos notierte, dann folgte die Ultraschalluntersuchung.

Hier konnte er sich während des Wartens nicht einmal mit alten Zeitschriften ablenken so betrachtete er die anderen Patienten und war froh, niemand mit Verbänden, Kanülen und Ähnliches zu sehen, denn davor scheute er schon immer zurück und konnte nie hinsehen. Sind die Blumen hier im Flur echt oder künstlich, fragte er sich, schaute aber nicht nach, sondern hing weiter seinen Gedanken nach. Er erinnerte sich an das beruhigende Untersuchungsergebnis bei Dr. Franke, der nur von einem harmlosen Ödem am rechten Stimmband gesprochen hatte, das auf eine Über- und evtl. Falschbeanspruchung der Stimme bei den Vorträgen und Seminaren zurückzuführen sei und der Michael deshalb an den Phoniatrieprofessor überwiesen hatte. Mit Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick hatte es Susanne – Michael telefonierte selbst fast überhaupt nicht mehr – geschafft, den Termin statt erst in drei Monaten innerhalb von 10 Tagen zu erhalten.

Ebenfalls kommentarlos wurde die Ultraschalluntersuchung durchgeführt und wieder war Warten angesagt. Bald hatte er alle Illustrierten durchgeblättert und ruhelos ging er hin und her, von der Tür zum Fenster, dann hinaus auf den Flur, fragte ihm Sekretariat nach, wie lange es nach fast drei Stunden Aufenthalt noch dauern würde.

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