Der Anfang nach dem Ende (3)

Endlich erbarmte sich der Assistenzarzt und erläuterte Michael das mögliche weitere Vorgehen. Irgendwie kam es Michael so vor, als habe dieses Gespräch eigentlich nur den Sinn die Wartezeit zu überbrücken, denn was bringt eine wäre-würde-könnte-Unterhaltung. Endlich kam ein, wenn auch nicht der erwartete, Oberarzt zur abschließenden Untersuchung. Dieser stellte im Gegensatz zum Assistenzarzt die Diagnose Krebs als gegeben hin, erläuterte nochmals das weitere Vorgehen und forderte Michael auf, baldmöglichst eine Gewebeprobe von den Wucherungen am Stimmband entnehmen zu lassen, um dann mit der weiteren Krebsbehandlung beginnen zu können.

Da Michael die Vermutung Krebs immer noch nicht glauben wollte, war er wegen der Selbstverständlichkeit, wie in diesem Gespräch Krebs bereits als feststehende Tatsache behandelt wurde, ziemlich ungehalten. Als sich der Oberarzt als geeigneter Operateur aufgrund dieser Beratung empfahl, dachte Michael sich insgeheim, der bestimmt nicht.

Obwohl der Assistenzarzt erklärte, dass Oberarzt Müller die Operation selbst durchführen wolle, schlug die Sekretärin leicht kopfschüttelnd einen Termin mit einem anderen Oberarzt vor. Dieses Verhalten fand Michael nicht gerade vertrauensbildend, fast schon peinlich und eher abschreckend, obwohl es seinen Wünschen entgegenkam. Mit einer Liste der noch durchzuführenden Voruntersuchungen verließ er die Klinik und bemerkte erstaunt, dass in diesem Neubau der ihm so verhasste typische Krankenhausgeruch fast vollständig fehlte. Dann rief er zu Hause an: „Hallo Sanne, ich bin jetzt fertig und fahre sofort zurück, in einer guten Stunde bin ich da?“

„Und was ist jetzt?“ Susanne konnte ihre Beunruhigung durch die lange Wartezeit nicht mehr verbergen.

„Das können wir in Ruhe besprechen, wenn ich daheim bin“, wich Michael aus.

„Spinnst du, ich sitze wie auf heißen Kohlen und du vertröstet mich auf später“, brauste Susanne auf und schrie ins Telefon, sodass Michael seine Handy etwas weiter vom Ohr abhielt.

„Also ganz kurz, es könnte Krebs sein, aber zuerst muss man in der nächsten Woche im Krankenhaus eine Gewebeprobe entnehmen und diese untersuchen.“ Michael teilte Susanne noch mit, dass er noch beim HNO-Arzt vorbeifahren wolle, um die notwendigen Untersuchungen abzuklären und dass er keine Lust mehr zum Einkaufen habe, was sie letztlich akzeptierte.

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